2004-8

Kulturausgaben von Bund, Ländern und Gemeinden

Alexandra Klein

PDF-Version des kompletten Aufsatzes mit Tabellen, Grafiken und Schaubildern (84,3 KB)

Mit dem Kulturfinanzbericht 2003 legten die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder in Zusammenarbeit mit der Kultusministerkonferenz, der Beauftragten für Kultur und Medien der Bundesregierung und dem Deutschen Städtetag im Mai 2004 einen umfassenden Bericht über die öffentliche Kulturfinanzierung vor. Der Kulturfinanzbericht gibt einen Überblick darüber, in welcher Höhe und in welchen Bereichen Bund, Länder und Gemeinden Mittel für den Kultursektor bereitstellen und wie sich die Ausgaben in den vergangenen Jahren entwickelt haben.

Kulturausgaben des Bundes 1 Milliarde, der Länder 3,6 Milliarden und der Gemeinden 3,7 Milliarden Euro | ^

Im Jahr 2001 gab die öffentliche Hand (Bund, Länder, Kommunen und Zweckverbände) gemäß Jahresrechnungsstatistik insgesamt 8,35 Mrd. Euro für Kultur aus. Von 1995 bis 2001 stiegen die Ausgaben um 12,3 %. Nach den vorläufigen Ergebnissen der Haushaltsansatzstatistik sind die Kulturausgaben bis zum Jahr 2003 auf 8,2 Mrd. Euro gesunken.

Die Kulturausgaben des Bundes beliefen sich im Jahr 2001 auf insgesamt 1,04 Mrd. Euro. Dies entsprach einem Anteil von 12,4 % an allen öffentlichen Kulturausgaben. Seit 1995 stiegen die Kulturausgaben des Bundes um 7,5 %. 2003 sind die Bundesmittel – nach vorläufigen Ergebnissen der Haushaltsansatzstatistik – um 2,5 % auf 1,01 Mrd. Euro zurückgegangen.

Aufgrund der föderalen Struktur werden die Ausgaben für Kultur in Deutschland maßgeblich von Ländern und Gemeinden bestritten. Im Kulturbereich und der Kulturförderung setzen die Länder unterschiedliche Schwerpunkte. Die Kultur dient unter anderem als wichtiges Instrument für die Selbstdarstellung der Länder. Die Kulturausgaben der Länder (einschließlich Stadtstaaten, aber ohne Ausgaben der Gemeinden) beliefen sich 2001 auf 3,59 Mrd. Euro. Sie trugen damit 43,0 % aller öffentlichen Ausgaben für Kultur. Zwischen 1995 und 2001 steigerten die Länder ihre Ausgaben durchschnittlich um 8,7 %. Dabei durchliefen die einzelnen Bundesländer sehr unterschiedliche Entwicklungen. Beispielsweise erhöhte Nordrhein-Westfalen seine Ausgaben um über die Hälfte. Rheinland-Pfalz und Sachsen weisen Steigerungsraten von über einem Drittel nach. In Schleswig-Holstein und Thüringen sanken dagegen die Ausgaben der Landesebene zwischen 1995 und 2001.

Zwischen 2001 und 2003 gingen die Kulturausgaben der Länder nach ersten Berechnungen auf 3,45 Mrd. Euro zurück. Dieser Trend trifft die neuen Länder mit einem Rückgang von 10,2 % stärker als die Stadtstaaten (−6,2 %). Die Ausgaben der alten Flächenländer werden in diesem Zeitraum voraussichtlich gleich bleiben.

Die Gemeinden trugen mit 3,72 Mrd. Euro im Jahr 2001 den größten Anteil (44,6 %) an den Kulturausgaben. Die Ausgaben der Gemeinden verzeichneten seit 1995 einen Zuwachs von 17,4 %. Sie stiegen stärker als jene der Länder und werden den genannten Umfang voraussichtlich auch bis zum Jahr 2003 beibehalten. Hinter dieser Durchschnittsangabe verbergen sich für die Gemeinden der einzelnen Bundesländer unterschiedliche Entwicklungen. Während die Gemeinden von insgesamt sieben Flächenländern ihre Ausgaben bis 2003 um bis zu 6 % steigerten, werden in sechs anderen Flächenländern die Gemeinden ihre Ausgaben um bis zu 8 % senken.

Die Anteile von Bund, Ländern und Gemeinden an der öffentlichen Kulturfinanzierung verlagerten sich in den letzten 25 Jahren. Der Anteil des Bundes ging in diesem Zeitraum stetig zurück. Die Länder übernahmen bis Mitte der 90er-Jahre einen zunehmend größeren Anteil, während die Gemeinden ihren Anteil von 42,5 % beibehielten. Seit Mitte der 90er-Jahre nimmt auch der Anteil der Länder leicht ab. Der Anteil der Gemeinden steigerte sich in gleichem Umfang:

Anteil der Körperschaften an den öffentlichen Ausgaben für Kultur
Gebiet197519952001
Bund18,913,012,5
Länder38,644,442,7
Gemeinden42,542,644,8

Je Einwohner werden für Kultur rund 100 Euro pro Jahr ausgegeben | ^

Die öffentlichen Kulturausgaben je Einwohner verdreifachten sich zwischen 1975 und 1995 von 29,0 Euro auf 91,1 Euro. Im Jahr 2001 betrugen sie 101,0 Euro. Die Haushaltsansatzstatistik sieht für das Jahr 2003 einen Rückgang auf 99,4 Euro.

Je Einwohner wendeten Länder und Gemeinden 2001 im Durchschnitt 88,9 Euro für Kultur auf. Die höchsten Ausgaben je Einwohner tätigen die Stadtstaaten mit 156,3 Euro je Einwohner. Im Vergleich zu den alten Flächenländern mit 75,7 Euro je Einwohner lagen die Ausgaben in den neuen Flächenländern (120,5 Euro) auf einem deutlich höheren Niveau.

Die höchsten Kulturausgaben je Einwohner meldeten

Berlin185 Euro
Sachsen167 Euro
Bremen127 Euro

die niedrigsten

Niedersachsen62 Euro
Schleswig-Holstein57 Euro
Rheinland-Pfalz55 Euro

(siehe auch Schaubild).

Großstädte geben am meisten für Kultur aus. | ^

Die Kommunen wandten 2001 durchschnittlich 40,3 Euro je Einwohner für laufende Ausgaben im Kulturbereich auf. Gegenüber den beiden Vorjahren stiegen die Ausgaben damit leicht an. Die meisten Ausgaben tätigten die Städte mit mehr als 200 000 Einwohnern. Sie stellten 2001 knapp 102 Euro je Einwohner aus allgemeinen Haushaltsmitteln zur Verfügung. Die Pro-Kopf-Ausgaben für Kultur steigen in der Regel mit der Größe der Gemeinde. Kleinstädte zwischen 10 000 und 20 000 Einwohnern wenden lediglich 13 Euro pro Einwohner für Kultur auf.

Kommunen prägen das kulturelle Angebot vor Ort maßgeblich mit. Neben der institutionellen Förderung von Museen, Stadttheatern und Bibliotheken fördern sie eine Vielzahl von Vereinen, kulturellen Initiativen und Festivals.

Der Kulturfinanzbericht stellt auch einen Städtevergleich vor. Dafür wurden die Städte nach ihrer Größe eingeteilt. Zusätzlich wurden die Landeshauptstädte miteinander verglichen. Da das kulturelle Angebot in den Großstädten breiter und auch für das Umland der Städte von Bedeutung ist, sind deren Kulturausgaben höher als die der kleineren Gemeinden. Rund ein Fünftel des Ausgabenvolumens der Gemeinden entfielen 2001 auf die neun Städte mit über 500 000 Einwohnern (ohne Stadtstaaten). Ein weiteres Viertel stellten die Städte zwischen 200 000 und 500 000 Einwohner bereit (Tabelle).

Die meisten Landeshauptstädte haben eine herausgehobene Stellung. Als Sitz der Landesregierungen verfügen sie in der Regel über eine vielfältige Kulturlandschaft, die in größerem Umfang von Landesseite unterhalten wird, als dies in anderen Städten der Fall ist. Im Durchschnitt lagen die von den Landeshauptstädten für kulturelle Zwecke zur Verfügung gestellten Mittel bei 93 Euro je Einwohner. Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt Magdeburg hatte 2001 mit 127 Euro je Einwohner im Bereich Kultur die höchsten laufenden Kulturausgaben unter allen Landeshauptstädten. Auch Stuttgart (125 Euro) und Erfurt (122 Euro) liegen deutlich über dem Durchschnitt. Ein vergleichsweise geringes Ausgabenniveau je Einwohner hatten Saarbrücken (39 Euro), Hannover (41 Euro) sowie Schwerin (44 Euro).

Bei den Großstädten über 500 000 Einwohnern rangierte Frankfurt mit 207 Euro je Einwohner an der Spitze. Stuttgart (125 Euro) folgt an zweiter Stelle. Die vergleichsweise hohen Ausgaben der Großstadt Köln waren fast um die Hälfte geringer als die Ausgaben in Frankfurt. In Hannover betrugen die Ausgaben mit 42  Euro nur noch knapp ein Fünftel des Spitzenreiters.

Innerhalb der Städtegruppe von 200 000 bis unter 500 000 Einwohner befanden sich bei den Spitzenreitern die Städte

Leipzig179 Euro
Mannheim136 Euro
Magdeburg127 Euro
Erfurt122 Euro

Am anderen Ende des Spektrums lagen unter anderem

Oberhausen59 Euro
Mönchengladbach58 Euro
Kiel56 Euro
Lübeck55 Euro

Innerhalb der Gruppe der Städte von 100 000 bis unter 200 000 Einwohner hatten die höchsten laufenden Kulturausgaben je Einwohner

Ulm151 Euro
Halle146 Euro
Cottbus141 Euro
Heidelberg129 Euro

Die geringsten Kulturausgaben je Einwohner tätigten die Städte

Herne34 Euro
Salzgitter32 Euro
Offenbach27 Euro
Siegen25 Euro

Für Theater geben Länder und Gemeinden am meisten aus | ^

Die öffentlichen Haushalte stellten den größten Teil ihrer Kulturausgaben für den Bereich Theater und Musik zur Verfügung. Im Jahr 2001 waren es 3,08 Mrd. Euro; das entspricht einem Anteil von 36,9 % an allen Kulturausgaben. Weitere 1,38 Mrd. Euro (16,5 %) flossen in die Finanzierung der Museen. Die Bibliotheken erhielten 1,38 Mrd. Euro (16,4 %) der Mittel. Die Ausgaben für die auswärtige Kulturpolitik, eine kulturpolitische Domäne des Bundes, beliefen sich im Vergleichsjahr auf 315 Mill. Euro. Davon entfielen 306 Mill. Euro auf den Bund. Für die Finanzierung der Kunsthochschulen brachten die öffentlichen Mittelgeber weitere 436 Mill. Euro auf. Rund 900 Mill. Euro stellte die öffentliche Hand für den Bereich der sonstigen Kulturpflege zur Verfügung, für die Kulturverwaltung 473 Mill Euro.

infopunkt 1

Definition der Kulturausgaben im Kulturfinanzbericht

Für die Analyse der Kulturausgaben werden die Grundmittel verwendet, die sich aus den Ausgaben abzüglich der Einnahmen eines Aufgabenbereichs berechnen. Sie zeigen die Ausgaben des Kulturbereichs, die aus allgemeinen Haushaltsmitteln finanziert werden, das heißt die die öffentlichen Haushalte belasten. Die Einnahmen der Kultursparten sind unterschiedlich hoch. So finanzieren Theater oder Konzerthäuser einen erheblichen Teil der Ausgaben über Eintrittsgelder.

Bei der Ermittlung der Kulturausgaben einzelner Städte wird auf die laufenden Ausgaben für Personal- und Sachaufwand abzüglich der laufenden Einnahmen abgestellt, da Investitionsausgaben starken jährlichen Schwankungen unterliegen. Die Höhe der laufenden Grundmittel je Einwohner beziffert den öffentlichen Zuschussbedarf, der den Städten für ihr Kulturangebot entsteht. Die ermittelten Daten stellen lediglich die aus den allgemeinen Haushaltsmitteln von den Kommunen zur Verfügung gestellten Mittel dar. Deren jeweilige Höhe lässt jedoch keine unmittelbaren Ruckschlüsse auf die politische Prioritätensetzung und auf die Versorgung der Bevölkerung mit Kulturdienstleistungen zu. Denn das örtliche kulturelle Angebot wird nicht nur von den Kommunen, sondern auch von Bund, Ländern und dem privaten Bereich finanziert.

infopunkt 2

Kulturbegriff

Die Höhe der Kulturausgaben hängt von der Abgrenzung des Kultursektors ab. Der Kulturbegriff der Haushaltssystematik der Jahresrechnungsstatistik bezieht einige Kultursegmente, beispielsweise die wissenschaftlichen Bibliotheken und Museen, nicht ein. Die EU bevorzugt einen umfassenderen Kulturbegriff als den der deutschen Haushaltssystematik. Der im Kulturfinanzbericht 2003 zugrunde gelegte Kulturbegriff orientiert sich an den Abgrenzungen der Europäischen Union und ermöglicht damit auch internationale Ausgabenvergleiche.


© Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart, 2014 | ^