2005-1

Freiburg hat die höchste Dichte an niedergelassenen Allgemeinärzten

Dr. Lothar Baumann

PDF-Version des kompletten Aufsatzes mit Tabellen, Grafiken und Schaubildern (100,9 KB)

Allgemeinmediziner sollen zunehmend wieder die Funktion einer Drehscheibe ausüben, von wo aus die Patientinnen und Patienten nach eingehender Untersuchung bei Bedarf an andere Fachgebiete überwiesen werden. Diese Verfahrensweise soll dazu beitragen, die immensen Kosten unseres Gesundheitswesens zu senken, indem teure und möglicherweise nicht notwendige Facharztbesuche reduziert werden. Dem medizinischen Sachverstand in Verbindung mit der Vertrautheit persönlicher Umstände und Entwicklung des jeweiligen Falles kommt im klassischen Hausarztmodell wieder eine größere Bedeutung zu, als dies zu Zeiten einer uneingeschränkten freien Arztwahl der Fall war.

Versorgungsgrad in Ballungsgebieten eher geringer | ^

Im Jahre 2003 ist in Baden-Württemberg die Zahl der berufstätigen Ärzte um 1,3 % auf 39 204 gestiegen. In freier Praxis waren insgesamt 16 203 Mediziner tätig (+1 %), darunter 6 301 Allgemeinärzte bzw. Praktische Ärzte, was gegenüber dem Vorjahr eine Zunahme um lediglich 0,3 % bedeutet.

In Anbetracht der gesundheitspolitischen Aufgabe, die den Allgemeinärzten heute bei der Primärversorgung der Patienten zugedacht ist, fällt nicht nur dieser Zuwachs sehr gering aus. Auch die Verteilung der niedergelassenen Allgemeinärzte auf die einzelnen Stadt- und Landkreise weist recht große Unterschiede auf. Im Landesdurchschnitt kamen 1 697 Einwohner auf einen Allgemeinarzt in freier Praxis. Im Landkreis Ludwigsburg waren es dagegen 2 255 Einwohner, die sich einen Mediziner dieser fachlichen Ausrichtung teilten, in Freiburg jedoch nur 944 Einwohner.

Offensichtlich spielt der Standort auch bei dieser Fachrichtung eine gewichtige Rolle. So fällt auf, dass die engmaschigste Versorgung, von Baden-Baden einmal abgesehen, neben Freiburg in Heidelberg und Ulm zu finden ist, Universitätsstädte mit eigener Universitätsklinik. Auch der Landkreis Tübingen, dessen städtisches Zentrum – ebenfalls mit Universitätsklinik – statistisch nicht gesondert erfasst ist, bleibt mit 1 520 Einwohnern je Allgemeinarzt unter dem Landesmittel. Auf der anderen Seite liegen Ballungszentren wie Stuttgart und Mannheim mit einem Verhältnis von 1 zu 1 859 bzw. 1 869 doch recht deutlich über dem Durchschnitt. Auch auf der Ebene der Landkreise sind erhebliche Differenzen in der Versorgungsdichte festzustellen.

Die vorliegenden Zahlen lassen nicht den Schluss zu, dass der Versorgungsgrad ländlicher Kreise generell unter dem der Ballungszentren liegt und in nennenswertem Umfang von dem der Städte mit Universitätskliniken abweicht. Gravierendere Unterschiede treten vielmehr zwischen den einzelnen Landesteilen auf. Ungeachtet einiger Abweichungen liegen der Süden, Südwesten und Nordosten Baden-Württembergs im Allgemeinen über dem Landesdurchschnitt, die Mitte und der Nordwesten des Landes dagegen eher darunter.

Bei der Dichte niedergelassener Fachgebietsärzte nehmen die Städte mit Universitätskliniken eine absolute Spitzenstellung ein, hier jedoch gefolgt von den städtischen Zentren Karlsruhe, Pforzheim, Mannheim und Stuttgart. Neben der Betreuung der Wohnbevölkerung mit einem spezialisierten Angebot übernehmen diese Städte auch die Funktion einer zentralen Versorgung des Umlandes.


© Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart, 2005 | ^