2005-1

Endgültige Ergebnisse der Gemeinderatswahlen 2004 in Baden-Württemberg

Monika Hin / Nicole Michel

PDF-Version des kompletten Aufsatzes mit Tabellen, Grafiken und Schaubildern (63,6 KB)

Am 13. Juni 2004 fanden in Baden-Württemberg – zeitgleich mit der Wahl zum Europäischen Parlament – die unter dem Begriff Kommunalwahlen zusammengefassten Wahlen der Gemeinde-, Kreis- und Ortschaftsräte sowie die Wahl der Regionalversammlung des Verbands Region Stuttgart statt. Im folgenden Beitrag liegt der Fokus dabei auf den Gemeinderatswahlen, zu denen in 1 110 Gemeinden des Landes knapp 7,8 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen waren, ihre Stimmen den über 19 000 zu wählenden Gemeinderäten zu geben. Nach Auswertung der schriftlichen Ergebnisberichte aller Gemeinden zeigen sich zwischen den Kommunen erhebliche Unterschiede sowohl bei der Wahlbeteiligung und der Stimmenabgabe als auch hinsichtlich der Präsenz von Frauen in den neugewählten Gemeindeparlamenten.

Höchste Wahlbeteiligung in Guggenhausen im Kreis Ravensburg… | ^

Die Gemeinde mit der höchsten Wahlbeteiligung in Baden-Württemberg war Guggenhausen im Kreis Ravensburg: 86,9 % der Wahlberechtigten gingen hier zur Wahl. Auf dem zweiten und dritten Platz rangieren Moosburg (Kreis Biberach) und Unterwachingen (Alb-Donau-Kreis) mit 86,1 bzw. 84,6 %. Mit einer Beteiligungsquote von lediglich 37,5 % wies die Stadt Gaggenau im Kreis Rastatt die niedrigste Wahlbeteiligung auf. Ebenfalls unter 40 % lag die Wahlbeteiligung in Singen im Kreis Konstanz mit 37,6 % und in Pforzheim mit 39,3 %. In 179 weiteren Gemeinden lag die Wahlbeteiligung noch unter dem Landesschnitt von 52 %.

Erfolgreichste Partei bei den Gemeinderatswahlen 2004 (in Gemeinden mit Verhältniswahl) war die CDU (landesweit 32,1 % der gleichwertigen Stimmen1). Am besten schnitten die Christdemokraten mit einem Stimmenanteil von 87,5 % in Ravenstein (Neckar-Odenwald-Kreis), mit 81,3 % in Freudenberg (Main-Tauber-Kreis) und mit 78,4 % in Altshausen (Kreis Ravensburg) ab. Die SPD (Landesschnitt 18,1 %) erzielte ihr landesweit bestes Ergebnis in Schönau im Rhein-Neckar-Kreis mit 54,9 % der gleichwertigen Stimmen, gefolgt von Sternenfels im Enzkreis (52,4 %) und der Gemeinde Schluchsee im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald (45,4 %). Die GRÜNEN waren in Merzhausen (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) mit einem Stimmenanteil von 31,3 %, in Dettighofen (Kreis Waldshut) mit 28,8 % sowie in Freiburg im Breisgau mit 25,8 % am erfolgreichsten (Landesschnitt: 6,0 %). Die FDP konnte in Gutach im Ortenaukreis (30,4 %), in Schliengen im Kreis Lörrach (20,8 %) und in Walldorf im Rhein-Neckar-Kreis (20,5 %) die meisten Wählerstimmen erringen. Landesweit kam die FDP auf 2,8 % der gleichwertigen Stimmen. Alle anderen zur Gemeinderatswahl 2004 angetretenen Parteien blieben im Landesschnitt unter 0,5 % der gleichwertigen Stimmen, wobei die REPUBLIKANER mit 0,4 und die PDS mit 0,2 % der gleichwertigen Stimmen noch am besten abschnitten.

Traditionell erfolgreich bei Gemeinderatswahlen sind die Wählervereinigungen. Landesweit erreichten die Wählervereinigungen bei den Gemeinderatswahlen 2004 insgesamt 35,5 % der gleichwertigen Stimmen – mehr als die CDU. Die zu den grünen Listen zählenden Wählervereinigungen erhielten 2,9 % der gleichwertigen Stimmen, die Frauenlisten 0,5 % und die linksorientierten Listen 0,2 %. Die gleichwertigen Stimmenanteile der Jungen Union sowie der Einzelbewerber lagen unter 0,01 %. Auf die sonstigen Wählervereinigungen entfielen insgesamt 31,8 %. Die gemeinsamen Wahlvorschläge von Parteien und Wählervereinigungen kamen auf 4,7 % der gleichwertigen Stimmen.

…und höchster Frauenanteil im Gemeinderat von Umkirch im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald | ^

Zu den Gemeinderatswahlen am 13. Juni 2004 stellten sich in Baden-Württemberg insgesamt 60 938 Personen zur Wahl, darunter waren 17 206 Frauen. Im Vergleich zu den Gemeinderatswahlen 1999 stieg damit der Frauenanteil unter den Kandidaten leicht von 27,3 % auf 28,2 %. Gewählt wurden insgesamt 19 353 Gemeinderäte, darunter 15 286 Männer und 4 067 Frauen. Das heißt, gut jedes fünfte Gemeinderatsmandat in Baden-Württemberg (21,0 %) ging an eine Frau. Gegenüber den Gemeinderatswahlen 1999 hat sich somit der Frauenanteil unter den Gemeinderäten um 2,4 Prozentpunkte erhöht.

Immer noch 54 Gemeindeparlamenteohne Frauen | ^

In einer baden-württembergischen Gemeinde sind die Frauen im Gemeinderat in der Überzahl: So sind – nach den endgültigen Ergebnissen der Gemeinderatswahl 2004 – in Umkirch im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald 9 von 14 Gemeinderäten Frauen. Dies entspricht einem Frauenanteil von 64,3 %. Insgesamt vier Gemeindeparlamente im Land bestehen je zur Hälfte aus Männern und Frauen: Nordheim im Kreis Heilbronn, Zwingenberg im Neckar-Odenwald-Kreis, Merzhausen im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald und Schenkenzell im Kreis Rottweil. Alle übrigen Gemeinderäte Baden-Württembergs bestehen mehrheitlich aus Männern. In insgesamt 54 der 1 110 Gemeinden Baden-Württembergs sind keine Frauen vertreten. Nach den Gemeinderatswahlen 1999 waren noch 72 Gemeinderäte »frauenlos«, 1994 sogar noch 84.

In 303 Gemeinden, darunter in der Landeshauptstadt, waren Frauen erfolgreicher als Männer | ^

Aufschluss über den Erfolg von Frauen bei den Gemeinderatswahlen gibt die Gegenüberstellung des Frauenanteils an den Bewerbern mit dem Frauenanteil an den Gewählten. In Gemeinden, in denen der Frauenanteil an den Gewählten höher ist als der an den Bewerbern, waren Frauen erfolgreicher als ihre männlichen Kollegen. Landesweit betrachtet waren Frauen mit einem Anteil von 28,2 % an den Bewerbern und nur 21,0 % an den Gewählten bei den Gemeinderatswahlen 2004 weniger erfolgreich als Männer (Tabelle). In insgesamt 303 Gemeinden des Landes war dies jedoch umgekehrt. In diesen Gemeinden liegt der Frauenanteil an den Gewählten über dem an den Bewerbern. In diesem Sinne erfolgreicher waren Frauen unter anderem in Umkirch (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald), Zwingenberg (Neckar-Odenwald-Kreis) und Schenkenzell (Kreis Rottweil). Auch in der Landeshauptstadt Stuttgart waren die Kandidatinnen erfolgreicher als ihre männlichen Konkurrenten. So wählten die Stuttgarterinnen und Stuttgarter 26 Frauen in ihren Gemeinderat. Dies entspricht einem Anteil von 43,3 % gegenüber einem Frauenanteil von 36,0 % bei den Bewerbern.

Die endgültigen Ergebnisse der Gemeinderatswahlen 2004 mit Vergleichsangaben von 1999 für alle 1 110 Gemeinden sowie die endgültigen Ergebnisse der Kreistagswahlen können im Internetangebot des Statistischen Landesamtes unter www.statistik-bw.de/Wahlen/Kommunalwahlen_2004 abgerufen werden. Hier finden Sie neben Angaben zu Wahlberechtigten, Wählern und der Stimmenverteilung auch die Zahl der gewählten Gemeinderats- bzw. Kreistagsmitglieder (darunter die Zahl der gewählten Frauen).

1 Gleichwertige Stimmen: Wegen des unterschiedlichen Stimmengewichts in den Gemeinden der elf Einwohnergrößenklassen werden gleichwertige Stimmen nachgewiesen. Diese sind auf Gemeindeebene durch Division der Zahl der gültigen Stimmen durch die Zahl der jeweils zu wählenden Bewerber ermittelt worden. Auf diese Weise sind alle Gemeinden mit gleichem Stimmengewicht ausgestattet.


© Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart, 2005 | ^