2005-10

Bodenflächen im Land: 13,6 % werden für Siedlungs- und Verkehrszwecke genutzt

Thomas Betzholz

PDF-Version des kompletten Aufsatzes mit Tabellen, Grafiken und Schaubildern (1939,9 KB)

Grund und Boden ist als knappes Gut nur begrenzt verfügbar, sodass in der Öffentlichkeit der Ruf nach sparsamerem Umgang mit der Ressource Boden immer lauter wird. Im Entwurf des umweltpolitischen Schwerpunktprogramms der Bundesregierung1 wurde beispielsweise das Ziel vorgegeben, den täglichen Flächenverbrauch bis zum Jahre 2020 bundesweit auf 30 ha zu beschränken. Im Vergleich zum Referenzzeitraum 1997/2000 bedeutet dies eine Reduzierung auf ein Viertel des Ausgangsniveaus. Datenquelle ist die Flächenerhebung nach Art der tatsächlichen Nutzung, die wiederum auf dem Liegenschaftskataster beruht. Entscheidende Kenngröße zur Quantifizierung des Flächenverbrauchs ist die »Siedlungs- und Verkehrsfläche«. Sie belief sich in Baden-Württemberg zu Jahresbeginn auf 487 000 Hektar2 (ha). Der tägliche Flächenbedarf für Baumaßnahmen im Land ging inzwischen auf 8,8 ha zurück. Zu Beginn des neuen Jahrtausends hatten die Vergleichswerte bei rückläufiger Tendenz noch über der Marke von 10 ha/Tag gelegen.

Aufgrund der Ergebnisse der Flächenerhebung nach Art der tatsächlichen Nutzung 2005 (Stand 31. Dezember 2004) sind in Baden-Württemberg 85,4 % der Bodenflächen den Nutzungsarten Landwirtschafts- (1 656 000 ha), Wald-

(1 363 000 ha) und Wasserfläche (37 000 ha) zuzuordnen. Die Siedlungs- und Verkehrsfläche beziffert sich auf 487 000 ha; das entspricht einem Anteil am gesamten Landesgebiet (3 575 000 ha) von 13,6 %. Bei der restlichen Landesfläche handelt es sich um so genannte Schutzflächen, Übungsgelände, Unland oder historische Bauten.

Seit dem Jahr 2003 sind danach bis 2004 weitere 3 200 ha (+ 0,7 %) für Siedlungs- und Verkehrszwecke herangezogen worden. Umgerechnet auf die Fläche eines Fußballplatzes (70 m x 100 m) hat der Jahreszuwachs damit eine Größenordnung von 4 500 bis 4 600 Fußballplätzen. Die tägliche Flächeninanspruchnahme – für Baumaßnahmen in den Bereichen Wohnen, Gewerbe und Industrie, Straßen, Gemeinbedarfseinrichtungen wie Grünanlagen, Sportstätten, Ver- und Entsorgungsanlagen einschließlich den der Bebauung untergeordneten unbebauten Flächen wie Vorgärten, Hausgärten, Spielplätze, Stellplätze oder Ähnliches – belief sich 2004 auf 8,8 ha/Tag. Nachdem die Vergleichsdaten der Vorjahre (2001: 11,8 ha/Tag; 2002: 10,6 ha/Tag; 2003: 10,3 ha/Tag) noch deutlich höher gelegen hatten, scheint es so, als ob sich ein Umdenken hin zum sparsameren Umgang mit Grund und Boden mehr und mehr durchsetzt. Von der derzeitigen Wirtschaftslage dürften zusätzlich eher dämpfende Effekte auf den Flächenverbrauch ausgehen.

Da die Siedlungs- und Verkehrsfläche in erheblichem Umfang Grün- und Freiflächen umfasst, ist »Flächenverbrauch« nicht mit »Versiegelung« (teilweises oder vollständiges Abdichten offener Böden) gleichzusetzen. Der einzig nennenswerte Bereich, aus dem das Wachstum der Siedlungs- und Verkehrsfläche gespeist wird, ist weiterhin die Landwirtschaftsfläche, die in der jüngeren Vergangenheit durchschnittlich 13 ha/Tag an Fläche einbüßte. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass ein Teil dieser Flächen aufgeforstet wurde und insofern der Naturfläche erhalten blieb.

Von der Siedlungs- und Verkehrsfläche insgesamt entfallen derzeit 192 500 ha oder 39,5 % auf Verkehrsflächen, das heißt Flächen für Straßen, Wege, Plätze, Schienen- und Luftverkehr. Die gesamte Gebäude- und Freifläche beläuft sich auf nunmehr 259 900 ha oder 53,4 % der Siedlungs- und Verkehrsfläche, darunter 134 900 ha für Wohnzwecke und weitere 41 600 ha, die vorherrschend gewerblichen und industriellen Zwecken dienen.

16 100 ha der Gebäude- und Freifläche wird für öffentliche Zwecke bereitgestellt, weitere 12 100 ha werden vom Handel und dem Dienstleistungssektor genutzt. Die Gebäude- und Freifläche Land- und Forstwirtschaft beziffert sich auf landesweit 27 800 ha.

Regionalangaben bis auf Gemeindeebene | ^

Das Schaubild zeigt den Anteil der Siedlungsfläche an der Bodenfläche insgesamt in den Gemeinden des Landes.3 Regional unterscheiden sich die Anteile der Einzelkategorien der Flächennutzung an der Gemarkungsfläche erheblich. Geringe Anteile der Siedlungs- und Verkehrsfläche an der Gemarkungsfläche finden sich in den Höhenlagen des Schwarzwaldes und der Schwäbischen Alb, im Norden von Baden-Württemberg ausgehend vom Odenwald über das Bauland bis zur Hohenloher Ebene und im Allgäu. Die Gebiete, in denen die Siedlungs- und Verkehrsflächen auf deutlich höhere Anteilswerte kommen, liegen ringförmig um die Landeshauptstadt Stuttgart. Sie werden im Osten durch den Landkreis Göppingen, im Süden durch die Kreise Reutlingen und Tübingen sowie im Norden durch den Heilbronner Raum begrenzt. Gen Westen dehnt sich das Gebiet bis Karlsruhe bzw. Mannheim und Heidelberg aus. Hinzu kommt ein Siedlungsband an der südlichen und westlichen Landesgrenze am Bodensee und entlang des Rheins. Landesweit den höchsten Wert hat mit 61 % an der gesamten Gemarkung die Siedlungs- und Verkehrsfläche der Stadt Kornwestheim, der Gutsbezirk Münsingen hat mit 2,3 % landesweit den niedrigsten Wert.

1 Die Bundesregierung (Hrsg.): Perspektiven für Deutschland, Unsere Strategie für eine nachhaltige Entwicklung, Berlin 2002.

2 1 ha = 1 Hektar = 10 000 qm

3 Diese Angaben sind in der Regionaldatenbank abzurufen.

infopunkt

Ranking bis auf Gemeindeebene: Daten in tiefer sachlicher (über 50 Merkmale) und räumlicher (ab Gemarkung) Gliederung wie zum Beispiel Gemeinden mit dem höchsten oder niedrigsten Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche sind auch in digitaler Form lieferbar unter Telefon (0711) 641-2607, Fax (0711) 641-2444. Daten für ganz Baden-Württemberg zum Gesamtpreis von 60 Euro bzw. auch einzeln nach Regierungsbezirken, je 15 Euro (zuzüglich 3,– Euro Versandkosten).

Weitere Ergebnisse in Tabellenform bis auf Kreisebene sind im Statistischen Bericht A V1-j »Flächenerhebung 2005 nach Art der tatsächlichen Nutzung« erschienen.


© Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart, 2005 | ^