2005-10

Museen in Baden-Württemberg

Barbara Sinner-Bartels

PDF-Version des kompletten Aufsatzes mit Tabellen, Grafiken und Schaubildern (497,4 KB)

Nicht allen ist es bekannt: Baden-Württemberg verfügt über eine vielfältige Museenlandschaft und nach Bayern bundesweit über die meisten Museen. Mehr als 1 000 Museen präsentieren im Land zwischen Main und Bodensee ein vielfältiges Angebot an Exponaten aus Kunst, Kultur und Geschichte. Zahlreiche Gedenkstätten, Schloss- und Burgmuseen, Klöster, heimatkundliche Museen, aber auch viele Spezialmuseen für Kinder oder Freunde des Motorsports bilden einen festen Bestandteil im Besuchsprogramm in- und ausländischer Gäste. Mehr als 14 Mill. Besucher wurden im Jahr 2002 allein in den baden-württembergischen Museen gezählt. Der folgende Beitrag, der sich auf den vom Institut für Museumskunde (IfM) der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz – erstellten und als Gemeinschaftsveröffentlichung der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder erschienenen Museumsbericht 2004 stützt, gibt einen kurzen Überblick über die Museenlandschaft im Land.

Den Museen kommt als Orten der Bewahrung und Vermittlung des kulturellen und historischen Erbes durch ihre öffentliche Resonanz eine entscheidende Bedeutung im kulturellen und wirtschaftlichen Leben zu. Für das gesamte Bundesgebiet führte das Institut für Museumskunde 6 059 Museen in seinen Datenbanken.

Baden-Württemberg nach Bayern mit den meisten Museen bundesweit | ^

Mit Abstand die meisten dieser Einrichtungen befanden sich in Bayern (1 082) und Baden-Württemberg (1 032). Mehr als ein Drittel der deutschen Museen waren damit im Süden Deutschlands zu finden. Im Ranking nach Bundesländern (Schaubild 1) folgten dann mit ganz erheblichem Abstand Nordrhein-Westfalen (671) und Niedersachsen (638). Seit 1990 sind zudem in Bayern und Baden-Württemberg auch bundesweit die meisten Museen zusätzlich in die Erhebung aufgenommen worden.

Jedes zweite Museum im Land widmet sich der Volks- und Heimatkunde | ^

In Baden-Württemberg erfüllten im Jahr 2002 insgesamt 1 032 Museen den Kriterienkatalog des Instituts für Museumskunde und wurden damit in der Museumsstatistik berücksichtigt. Das Angebot ist dabei erwartungsgemäß überaus vielfältig und je nach Sammlungsschwerpunkt unterschiedlich ausgelegt. Bei den sich an einer Klassifikation der UNESCO orientierenden Museumsarten stehen:

  • 534 Museen mit volks- und heimatkundlichem Schwerpunkt mit einem Anteil von über der Hälfte ganz klar vorne. Dieser Kategorie sind auch Bauernhäuser und Mühlen zugeordnet. Mit weitem Abstand folgen dann die:
  • 157 Häuser der kulturgeschichtlichen Spezialmuseen, die sich beispielsweise der Religions- und Kirchengeschichte, der Völkerkunde, der Musikgeschichte, aber auch dem Brauereiwesen und Weinbau, der Literaturgeschichte, dem Spielzeug, der Feuerwehr oder den Musikinstrumenten widmen,
  • 93 naturwissenschaftliche und technische Museen, die von der Industriegeschichte, der Medizin bis hin zu Verkehr, Bergbau, Chemie und Astronomie ein breites Themenfeld abdecken,
  • 92 Kunstmuseen,
  • 66 historische und archäologische Museen,
  • 39 Schloss- und Burgmuseen,
  • 35 naturkundliche Museen,
  • 16 Museumskomplexe mit unterschiedlichen Sammlungsschwerpunkten, die im gleichen Gebäude untergebracht sind, und Sammelmuseen mit komplexen Beständen über mehrere Sammlungsschwerpunkte aus o.g. Gebieten.

Bundesweit ist eine ähnliche Ausrichtung der Museenlandschaft wie in Baden-Württemberg anzutreffen, allerdings zeigen sich graduelle Unterschiede. Die Gruppe der Volks- und Heimatkundemuseen war zwar in Deutschland insgesamt auch am stärksten vertreten, allerdings nicht ganz so ausgeprägt wie zwischen Main und Bodensee. Dafür blieb vor allem die Präsenz von naturwissenschaftlichen und technischen Museen, aber auch der Kunstmuseen im »Ländle« etwas hinter dem Bundesdurchschnitt zurück. Die zwischenzeitlich neu eröffneten Kunstmuseen in Stuttgart mit dem Themenschwerpunkt der Kunst des 20. Jahrhunderts und die Sammlung Frieder Burda in Baden-Baden mit Exponaten der Klassischen Moderne und der zeitgenössischen Kunst sind hierbei allerdings noch nicht berücksichtigt.

100 Mill. Museumsbesuche in Deutschland, 14 Mill. in Baden-Württemberg | ^

Interessante Hinweise, in welchem Umfang das vielfältige Angebot an Museen auch tatsächlich nachgefragt wird, liefern die Daten über die Besuchsfrequenz. Bundesweit wurden im Jahr 2002 insgesamt gut 100 Mill. Museumsbesuche gezählt. Dabei liegt Baden-Württemberg mit mehr als 14,1 Mill. Besuchen hinter Bayern (knapp 20,5 Mill.) und dem bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen (knapp 14,3 Mill.) auf Platz 3.

Die »Beliebtheitsskala« der einzelnen Museumsarten, gemessen an den Besuchszahlen, wird in Baden-Württemberg von den naturwissenschaftlichen und technischen Museen mit nicht ganz 3,3 Mill. Besuchen sowie den Schloss- und Burgmuseen mit etwa 2,9 Mill. Besuchen angeführt (Schaubild 2). Die Volks- und Heimatkundemuseen, die auf der Angebotsseite ganz klar dominieren, folgen mit knapp 2,5 Mill. Besuchen. Das unterschiedliche Gewicht von Angebot und Nachfrage bei dieser Museumsart erklärt sich vor allem mit der Vielzahl kleinerer Heimatmuseen mit ausgeprägt örtlichem Bezug, die in der Regel große Besucherströme gar nicht aufnehmen können und deren Besuchszahlen häufig überschaubar bleiben. Die Kunstmuseen belegen schließlich mit stark 1,9 Mill. Besuchen den vierten Platz.

Bezogen auf das gesamte Bundesgebiet präsentiert sich die Nachfragesituation in Abhängigkeit vom vorhandenen Angebot der musealen Einrichtungen allerdings etwas anders. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich hier die Volks- und Heimatkundemuseen mit knapp 18,2 Mill. Besuchen. Neben Baden-Württemberg und Niedersachsen hat dazu vor allem die starke Nachfrage in Nordrhein-Westfalen und Bayern beigetragen. Auf Platz 2 reihen sich bundesweit die Kunstmuseen (knapp 17,3 Mill.) ein, aufgrund der ausgesprochen hohen Besuchszahlen der entsprechenden Museen vor allem in Nordrhein-Westfalen und Bayern, mit Abstand gefolgt von Berlin und Baden-Württemberg. Bemerkenswert ist, dass bei den naturwissenschaftlichen und technischen Museen, die bundesweit mit über 14,8 Mill. Besuchen den dritten Platz einnehmen, in Baden-Württemberg unter den Bundesländern sogar die höchsten Besuchszahlen ermittelt wurden. Auch die baden-württembergischen Schloss- und Burgmuseen steuern einen beträchtlichen Anteil zum entsprechenden Bundesergebnis bei. Mit über 2,9 Mill. Besuchen stellen sie in dieser Sparte zusammen mit Bayern (knapp 4,9 Mill.) weit mehr als die Hälfte der Besuche in Deutschland (knapp 13,5 Mill.).

Museumsbesuche in ausgewählten Städten: Heidelberg auf Platz 4, Stuttgart auf Platz 6 bundesweit | ^

Eine detaillierte regionale Betrachtung zeigt die touristische und wirtschaftliche Bedeutung, aber auch die Akzeptanz von Museen in der Bevölkerung. Bei dem im Museumsbericht enthaltenen Ranking nach ausgewählten Städten wurden allerdings die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen aufgrund ihrer Doppelfunktion als Stadt und Land nicht in die Betrachtung mit einbezogen. Bundesweit die meisten Museumsbesuche wurden danach in München (stark 4,2 Mill.) beispielsweise in der Alten Pinakothek oder im Deutschen Museum gezählt. Die große überregionale Bedeutung und Anziehungskraft Münchens und der »Märchenschlösser« Hohenschwangau und Neuschwanstein beeinflusst auch in hohem Maße die Spitzenstellung Bayerns unter den Bundesländern bei den Besuchszahlen. Mit merklichem Abstand auf München folgen dann Köln (knapp 2,2 Mill.) mit dem Kölner Dom und bekannten Kunstmuseen sowie Dresden (knapp 1,8 Mill.) mit dem Ensemble des Schlosses sowie verschiedenen Kunst- und Spezialmuseen. Heidelberg mit seiner weit über die Grenzen des Landes bekannten Stadtansicht und dem Schloß liegt bereits auf Platz 4 (knapp 1,8 Mill.) und Stuttgart mit seiner breiten Palette an Angeboten wie beispielsweise der Staatsgalerie oder dem Lindenmuseum auf Platz 6 (knapp 1,7 Mill.). In Heidelberg lag damit die Zahl der Museumsbesuche zwölfmal höher als die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner. In Stuttgart wurden immerhin dreimal mehr Museumsbesuche als Einwohnerinnen und Einwohner gezählt. Ähnlich war aufgrund der knapp 0,9 Mill. Museumsbesuche auch der Vergleichswert für Karlsruhe.

Für Museen, Sammlungen und Ausstellungen stellten nach den Angaben zum Kulturfinanzbericht Bund, Länder und Gemeinden im Jahr 2001 Mittel in Höhe von 1,38 Mrd. Euro zur Verfügung. Dieser Betrag entspricht 16,5 % der gesamten Kulturausgaben. Das Ausgabenniveau ist allerdings zwischenzeitlich etwas abgesunken. Die öffentlichen Ausgaben werden dabei überwiegend von den Gemeinden bestritten, die 2001 insgesamt 714,5 Mill. Euro für diesen Aufgabenbereich aufwendeten und damit mehr als die Hälfte der öffentlichen Museumsaufwendungen bestritten.

infopunkt

Der Museumsbericht

Der Museumsbericht 2004 wurde in Zusammenarbeit mit den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder vom Institut für Museumskunde (IfM) der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz – erstellt. In diesem Bericht wird die Entwicklung der Museenlandschaft im Bundesgebiet und in den Bundesländern seit 1990 umfassend in anschaulicher Form mit kurzen Texten, Tabellen und Grafiken präsentiert. Grundlage bilden dabei die Daten des IfM aus der Museumsstatistik, die jährlich mittels schriftlicher Befragung direkt bei den Museen gewonnen werden. Daten zu den Kulturausgaben wurden vom Statistischen Bundesamt bereitgestellt. Die Arbeiten zum Museumsbericht wurden dabei vom Facharbeitskreis Kulturstatistik begleitet, in dem neben dem IfM und der amtlichen Statistik das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und der Deutsche Städtetag vertreten waren.

Zur Bestimmung der musealen Einrichtungen, die in die Museumsstatistik einfließen, wird ein Kriterienkatalog herangezogen. Neben dem Vorhandensein einer Sammlung und Präsentation von Objekten mit kultureller, historischer oder allgemein wissenschaftlicher Zielsetzung, der Zugänglichkeit der Einrichtung für die allgemeine Öffentlichkeit, wird eine klare räumliche Eingrenzung des Museumsbereichs vorausgesetzt. Außerdem sollen überwiegend keine kommerziellen Ausstellungen durchgeführt werden.

Der »Museumsbericht 2004« wurde herausgegeben von den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder sowie des Instituts für Museumskunde Berlin.


© Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart, 2005 | ^