2009-9

Investitionen im Verarbeitenden Gewerbe regionale Trends in Baden-Württemberg

Thomas Hoffmann

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Die Investitionstätigkeit von Industriebetrieben hat im Hinblick auf den Modernisierungsgrad ihrer Produktionsanlagen sowie auf die gesamte Fertigung und damit auch für die nationale und internationale Wettbewerbsfähigkeit eine herausragende Bedeutung. So geben die Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes in Baden-Württemberg jährlich hohe Beträge für Ausrüstungsgüter und Immobilien aus und leisten damit einen beachtlichen Beitrag zum Investitionsgeschehen der Volkswirtschaft nicht nur im Land.

Die Verteilung und Entwicklung der landesweiten nominalen Investitionen für den Beobachtungszeitraum 1995 bis 2007 bezogen auf die 12 Regionen sowie auf die 44 Stadt- und Landkreise fiel jedoch sehr unterschiedlich aus. Hierbei stellte die Region Stuttgart ihre Ausnahmestellung – wieder einmal – deutlich unter Beweis. Seit 1995 wurden in dieser Region die höchsten jährlichen Investitionen durch die dort angesiedelten Industriebetriebe getätigt. In den letzten Jahren konnte im Durchschnitt insbesondere für die Regionen Donau-Iller und Heilbronn-Franken eine deutlich positive Entwicklung der Industrieinvestitionen festgestellt werden. Auf der Ebene der Stadt- und Landkreise hielt über den gesamten Referenzzeitraum hinweg der Stadtkreis Stuttgart bei den jährlichen Investitionsbeträgen unangefochten die Spitzenposition vor den Landkreisen Böblingen und Esslingen. Für die außergewöhnlichen Ergebnisse dieser Kreise spricht in erster Linie eine starke Präsenz des »Fahrzeugbaus«. Die höchste Dynamik bei der Investitionsentwicklung erzielten die Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes aus dem Landkreis Biberach vor den Landkreisen Heilbronn und Tuttlingen.

Industrieinvestitionen: Baden-Württemberg bundesweit mit an der Spitze | ^

Die Wirtschaft Baden-Württembergs, deren Struktur insbesondere durch exportintensive Branchen geprägt ist, spielt traditionell auf nationalem und internationalem Parkett eine wichtige Rolle. Entsprechend hoch fiel das jährliche investive Engagement der Betriebe aus dem Bereich des Verarbeitenden Gewerbes (vgl. i-Punkt) in Sachanlagen zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit aus1. Im Ranking der erwartungsgemäß investitionsstarken großen Flächenländer belegte Baden-Württemberg stets einen Spitzenplatz. Der Regionalanteil Baden-Württembergs an den Investitionen der Industrie im Bundesgebiet stieg im Zeitraum 1995 bis 2007 von 15,2 % (1995)2 auf 19,2 % (2003) an. Im letzten Investitions-Boomjahr 2007, als die Investitionen in Baden-Württemberg mit rund 10,4 Mrd. Euro eine neue Rekordmarke erreichten, lag der Strukturanteil bei 18,7 %. Diese Entwicklung belegt den gestiegenen Einfluss der baden-württembergischen Investitionen auf die bundesweiten aktivierten Bruttozugänge an Sachanlagen3.

Herausragende Investitionstätigkeit in der Region Stuttgart | ^

Die Entwicklung der konjunkturreagiblen Investitionen verlief in den Teilräumen Baden-Württembergs sehr unterschiedlich. Als räumliches und industrielles Zentrum des Landes nimmt erwartungsgemäß die Region Stuttgart bei den Industrieinvestitionen eine herausragende Position ein. Seit 1995 wurden in dieser Region jährlich die höchsten Beträge ausgegeben. Die Bandbreite der Investitionstätigkeit lag hierbei zwischen 2 Mrd. Euro (1995) und 3,2 Mrd. Euro (2003 und 2007). Damit verzeichneten die Industriebetriebe aus der Region Stuttgart in jedem Jahr auch den höchsten Regionalanteil an den landesweiten Investitionen. Ausgehend von 29,1 % (1995) konnte dieser Wert auf einen Höchststand von mehr als einem Drittel (34,8 % im Jahr 2003) ausgebaut werden. Abgesehen vom Jahr 2005 lag der Strukturanteil seit 2001 stets über der 30 %-Marke und betrug zuletzt 30,5 %. Von den im Referenzzeitraum insgesamt im Land getätigten Investitionen in Höhe von nominal rund 113 Mrd. Euro wurde rund ein Drittel (30,7 % oder 34,8 Mrd. Euro) allein in der Region Stuttgart aufgebracht, was einem durchschnittlichen Investitionsbetrag von rund 2,7 Mrd. Euro pro Jahr entsprach.

Die Investitionsentwicklung für diese Region ergab bis zum Erreichen des Höchststandes innerhalb des Beobachtungszeitraumes im Jahr 2003 trotz erheblicher jährlicher Schwankungen im Trend einen Anstieg gegenüber 1995 um rund 56 %. Danach fielen die Investitionen bis zum Jahr 2005 auf das Niveau in der Größenordnung der Jahre 1996 bzw. 2000 zurück. Ab 2006 nahmen die Investitionen in der Region Stuttgart wieder Fahrt auf. Mit einer jährlichen durchschnittlichen Wachstumsrate von 7,6 % im Referenzzeitraum 1995 bis 2007 verbuchte die Region ein Investitionswachstum von rund 55 %. Hingegen erreichten die Investitionen für Baden-Württemberg mit einer jährlichen Wachstumsrate von durchschnittlich 6,7 % einen Anstieg um rund 48 % gegenüber 1995.

Mit weitem Abstand hinter der Region Stuttgart folgt die Region Heilbronn-Franken. Ihre wirtschaftliche Dynamik und starke investive Leistungsfähigkeit brachten die Industriebetriebe aus dieser Region in den Jahren 1998 bis 2002 besonders zum Ausdruck. In dieser Zeitspanne wurden durchgehend die zweithöchsten landesweiten Investitionsbeträge ausgegeben. Gleiches gilt für den aktuellen Rand des Referenzzeitraumes ab 2006. Hierbei wurde im Jahr 2007 mit einem Volumen von rund 1 Mrd. Euro und einem Vorjahresplus von rund 23 % das bislang höchste Investitionsvolumen der Region registriert. Die Investitionsentwicklung für die Region Heilbronn-Franken fiel insgesamt deutlich positiv aus. Gegenüber 1995 erzielte die Region – mit einer jährlichen durchschnittlichen Wachstumsrate von 10,8 % – das zweithöchste Investitionswachstum (85 %) unter allen Regionen des Landes.

Ausgehend von einem niedrigen Niveau und trotz starker Schwankungen im Zeitverlauf (hier kam es zu Veränderungsraten zwischen −26,4 % (2003) und +27,9 % im Jahr 2006) war zwischen 1995 und 2007 mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 15,1 % pro Jahr keine Region dynamischer als die Region Donau-Iller. Die dortigen Industriebetriebe gaben im Jahr 2007 mit einem Investitionsvolumen in Höhe von 670 Mill. Euro mehr als das Doppelte aus als noch im Jahr 1995.

Für jede der 12 Regionen des Landes ergab die Investitionsentwicklung für den Beobachtungszeitraum insgesamt gesehen einen Investitionszuwachs. Allerdings erreichten neben den bereits zuvor genannten Regionen nur noch die Regionen Ostwürttemberg und Schwarzwald-Baar-Heuberg sowie die Region Bodensee-Oberschwaben ein im Vergleich zum Land höheres Wachstum.

Stadtkreis Stuttgart: Das Investitionszentrum im Land | ^

An der Spitzenposition der Region Stuttgart für investives Engagement hat der Stadtkreis Stuttgart einen erheblichen Anteil. Dieser Kreis brachte mit Investitionsvolumina zwischen 604 Mill. Euro (1995) und 1,2 Mrd. Euro (2003) die höchsten jährlichen Investitionen aller 44 Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs hervor. Vor diesem Hintergrund waren auch die jährlichen Regionalanteile an den landesweiten Investitionen stets die höchsten. Diese lagen in den Jahren 1996 und 1997 sowie in der Zeit zwischen 2002 und 2004 bei mehr als 10 %. Damit wurde seit 1995 pro Jahr rund ein Zehntel (9,7 %) der Investitionen für Sachanlagen in Baden-Württemberg allein durch die Industriebetriebe im Stadtkreis Stuttgart getätigt4. Die Entwicklung der Industrieinvestitionen für den Stadtkreis verlief somit ebenfalls positiv. Bei einer jährlichen durchschnittlichen Wachstumsrate von 9,3 % erzielte der Stadtkreis einen Investitionszuwachs gegenüber 1995 von rund 70 % und verbuchte damit, ebenso wie 18 weitere Kreise, ein über dem Landeswert liegendes Ergebnis.

Neben dem Stadtkreis Stuttgart spielen auch die Landkreise Böblingen und Esslingen beim Investitionsgeschehen sowohl in der Region Stuttgart als auch landesweit eine große Rolle. Abgesehen vom Jahr 1998 bildeten die Kreise Stuttgart und Böblingen zusammen im gesamten Beobachtungszeitraum das »Spitzenduo« jährlicher Investitionen in Baden-Württemberg. Hierbei umfasste das investive Engagement der dortigen Industriebetriebe seit 1995 insgesamt rund 18,8 Mrd. Euro, was einen Regionalanteil von 54 % an den Investitionen für die Region Stuttgart bzw. von 16,6 % an den Investitionen im Land bedeutete. Nimmt man die Investitionen aus dem Landkreis Esslingen hinzu, so nahmen diese 3 Kreise zusammen im Jahr 2007 bereits zum 7. Mal innerhalb des Referenzzeitraumes in der Rangfolge der landesweit investitionsstärksten Kreise die »Top-3-Positionen« ein.

Als Beleg für die besondere allgemeine wirtschaftliche Entwicklung der Region Heilbronn-Franken ab Mitte der 90er-Jahre kann die Investitionsentwicklung in den zugehörigen Kreisen verstanden werden. Hierbei gaben seit 1995 die Industriebetriebe aus dem Landkreis Heilbronn mit rund 406 Mill. Euro das vierthöchste durchschnittliche Investitionsvolumen für Sachanlagen unter allen Kreisen aus und verbuchten in dieser Zeitspanne zugleich das zweithöchste Investitionswachstum (155 %). Außerdem erzielte der Landkreis Hohenlohekreis mit einer jährlichen durchschnittlichen Wachstumsrate von 16 % für die Zeit von 1995 bis 2007 das vierthöchste Investitionsplus aller Stadt- und Landkreise (rund 143 %). Zusammen mit dem Landkreis Schwäbisch Hall gehörten die vorgenannten Kreise der Region Heilbronn-Franken im Referenzzeitraum zu den 10 investitionsdynamischsten Kreisen Baden-Württembergs. Allerdings lagen 1995 die nominalen Investitionen insbesondere für die Landkreise Main-Tauber-Kreis, Hohenlohekreis und Schwäbisch Hall jeweils in Höhe von weniger als 100 Mill. Euro im Vergleich zu allen anderen Kreisen auf einem niedrigen Niveau.

Spitzenreiter bei der Investitionsentwicklung aller Stadt- und Landkreise war der Landkreis Biberach. Dieser Kreis konnte, ausgehend von einem niedrigen Niveau und mit einem jährlichen durchschnittlichen Betrag von rund 200 Mill. Euro das Investitionsvolumen 2007 gegenüber 1995 mehr als verdreifachen (+ 237 %). Im Gegensatz hierzu mussten die Landkreise Heidenheim, Sigmaringen und Rhein-Neckar-Kreis sowie die Stadtkreise Karlsruhe, Heilbronn und Freiburg im Breisgau für den Beobachtungszeitraum eine insgesamt rückläufige Investitionsentwicklung hinnehmen.

»Fahrzeugbau« prägt das Investitionsgeschehen im Land … | ^

Die in den administrativen Teilräumen Baden-Württembergs festgestellten Investitionsvolumina hängen naturgemäß von der Zahl der jeweils angesiedelten Industriebetriebe ab. Darüber hinaus spielt die Betriebsgrößenstruktur und die Branchenzugehörigkeit eine bedeutende Rolle. So führen beispielsweise Maßnahmen zur Rationalisierung oder zur Erweiterung von Produktionskapazitäten, die vorwiegend in Zeiten einer konjunkturell günstigen Wirtschaftslage durchgeführt werden, im Allgemeinen bei Großbetrieben oder Betrieben in Schlüsselbranchen zu hohen investiven Ausgaben. Entsprechend ist die Investitionsentwicklung in Abhängigkeit von der Anzahl an Großbetrieben oder Betrieben in Schlüsselbranchen innerhalb eines Raumes unterschiedlich starken Schwankungen unterworfen.

Das Bild der baden-württembergischen Industrielandschaft wird (traditionell) durch den »Fahrzeugbau« maßgeblich geprägt. Entsprechend wirkt sich das Investitionsverhalten der Industriebetriebe dieser Branche im Allgemeinen richtungweisend für die Investitionsentwicklung für das Land und seine administrativen Teilräume aus. Die Betriebe des »Fahrzeugbaus« investierten zwischen 1995 und 2007 von allen Branchen stets die Höchstbeträge innerhalb einer Bandbreite von 1,5 Mrd. Euro (1995) bis 3,5 Mrd. Euro (2003). Der Anteil des »Fahrzeugbaus« an den landesweiten Investitionen betrug somit jährlich mindestens ein Fünftel und im Maximum sogar mehr als ein Drittel (38,6 % im Jahr 2003). Zuletzt verbuchte die Schlüsselbranche einen Strukturanteil von 31,5 %.

Nach dem »Fahrzeugbau« spielt auch der »Maschinenbau«, die beschäftigungsintensivste Branche im Land, im Hinblick auf das Investitionsgeschehen eine wichtige Rolle. Hierbei investierte der »Maschinenbau« seit 1995 insgesamt rund 17,3 Mrd. Euro und lag damit vor dem Bereich »Datenverarbeitung, Elektrotechnik, Feinmechanik und Optik« (15,5 Mrd. Euro). Dahinter folgen der Bereich »Metallerzeugung, und -bearbeitung, Herstellung von Metallerzeugnissen« (11,6 Mrd. Euro) sowie die »Chemische Industrie« (8,5 Mrd. Euro). Zusammen tätigten die 5 großen Wirtschaftsbranchen über den gesamten Beobachtungszeitraum betrachtet pro Jahr durchschnittlich rund drei Viertel (75,8 %) der baden-württembergischen Investitionen.

… in der Region Stuttgart | ^

Die branchenmäßige Verteilung der landesweiten nominalen Investitionen bezogen auf die Regionen fiel sehr unterschiedlich aus. Dem zuvor beschriebenen Bild entspricht am ehesten die sektorale Aufgliederung der Investitionen für die Region Stuttgart, deren herausragende Position im Wesentlichen durch die Betriebe des »Fahrzeugbaus« bestimmt wird. Diese brachten seit 1995 stets die größten Investitionsvolumina zum Ausbau oder zur Modernisierung ihrer Produktionsanlagen (Höchstwert im Jahr 2003 mit rund 2,1 Mrd. Euro) auf. In den letzten Jahren baute die Schlüsselbranche ihre überragende Dominanz noch aus und erreichte in den Jahren 2003 und 2004 einen Strukturanteil von rund zwei Dritteln.

Auch in der Region Heilbronn-Franken und in der Region Neckar-Alb tätigten die Betriebe aus dem »Fahrzeugbau« sowie aus dem »Maschinenbau« für den Zeitraum 1995 bis 2007 die höchsten investiven Ausgaben. Die Region Mittlerer Oberrhein wurde ebenfalls wesentlich durch den »Fahrzeugbau« bestimmt, gefolgt von dem Bereich »Datenverarbeitung, Elektrotechnik, Feinmechanik und Optik«, während in der Region Rhein-Neckar die Betriebe der »Chemischen Industrie« das größte investive Engagement zeigten. Diese Branche gab pro Jahr im Durchschnitt ein Volumen in Höhe von rund 201 Mill. Euro aus und tätigte damit seit 1995 rund ein Viertel (25,8 %) der Investitionen in der Region. Aber auch die Bereiche »Maschinenbau« (132,8 Mill. Euro) und der »Fahrzeugbau« (107 Mill. Euro) gaben dort seit 1995 im Durchschnitt hohe Investitionsbeträge aus. Während die Betriebe aus dem Bereich der »Chemischen Industrie« auch in den Regionen Hochrhein-Bodensee und Donau-Iller im Durchschnitt einen maßgeblichen Anteil an der branchenmäßigen Zusammensetzung der Investitionen hatten, dominierte in den Regionen Nordschwarzwald und Schwarzwald-Baar-Heuberg der Bereich »Metallerzeugung und -bearbeitung, Herstellung von Metallerzeugnissen«.

… sowie im Stadtkreis Stuttgart | ^

Die sektorale Investitionsentwicklung auf der Ebene der Stadt- und Landkreise ergab (erwartungsgemäß) keine überraschenden Ergebnisse. Die Dominanz einzelner Branchen spiegelte sich auch in den einer Region zugehörigen Stadt- und Landkreisen wider. Im Referenzzeitraum gab es für die 4 investitionsstärksten Regionen des Landes damit nachfolgende Verteilung:

Abgesehen von den Landkreisen Göppingen und Rems-Murr-Kreis, in denen der Bereich »Metallerzeugung und -bearbeitung, Herstellung von Metallerzeugnissen« (22,3 %) bzw. der »Maschinenbau« (35,8 %) dominierte, hatte in allen anderen Stadt- und Landkreisen der Region Stuttgart der »Fahrzeugbau« die Spitzenposition inne. So wurden beispielsweise für den Stadtkreis Stuttgart im »Fahrzeugbau« seit 1995 Investitionsvolumina in einer Bandbreite von 410 Mill. Euro (2000) bis zu 1,1 Mrd. Euro (2003) getätigt. Pro Jahr machten die investiven Ausgaben dieser Branche damit mindestens zwei Drittel (67,6 %) der Investitionen dieses Stadtkreises aus. Im Jahr 2003, dem Investitionsboomjahr für den »Fahrzeugbau«, lag der Strukturanteil sogar bei knapp 91 %. Der Anteil des »Fahrzeugbaus«, über den gesamten Beobachtungszeitraum betrachtet, betrug für den Stadtkreis Stuttgart rund 83 % und im Landkreis Böblingen rund 71 %. Nach dem »Fahrzeugbau« (37,7 %) konnte im Landkreis Esslingen auch der »Maschinenbau« (26,2 %) einen ebenfalls hohen Strukturanteil verbuchen.

Für die Region Heilbronn-Franken brachten zwischen 1995 und 2007 die Investitionen der Betriebe aus dem »Fahrzeugbau« im Landkreis Heilbronn ein Spitzenergebnis (68,8 %), welches maßgeblich für die Investitionen der gesamten Region war (Anteil des »Fahrzeugbaus« in der Region: 38,3 %). Ähnlich sind die Verhältnisse in der Region Mittlerer Oberrhein, in der im Referenzzeitraum mit einem Volumen in Höhe von 10,1 Mrd. Euro der vierthöchste Investitionsbetrag aller Regionen des Landes registriert wurde. Auch hier erbrachte das Investitionsvolumen der Betriebe aus dem »Fahrzeugbau« eines Kreises – des Landkreises Rastatt – einen hohen Anteil am Gesamtergebnis für die Region. In diesem Landkreis erreichte der »Fahrzeugbau« einen Strukturanteil von 58,6 % und in der Region einen Anteil von 28,6 %. In den Kreisen der Region Rhein-Neckar bestimmte außer im Stadtkreis Mannheim, in welchem die »Chemische Industrie« (38 %) deutlich vor dem »Fahrzeugbau« (19,8 %) an der Spitze lag, der »Maschinenbau« das Investitionsgeschehen.

Für 2008 Abschwächung der Investitionsdynamik und für 2009 deutlicher Investitionsrückgang zu erwarten | ^

Nachdem in Baden-Württemberg die Investitionen 2007 ein neues Rekordergebnis hervorbrachten, wird für das Jahr 2008 erwartet, dass die Investitionen das bereits hohe Niveau aus 2007 insgesamt sogar noch übertreffen. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Betriebe – unter dem positiven konjunkturellen Einfluss und der damit verbundenen hohen Investitionsbereitschaft aus 2007 – hohe Investitionsvolumina auch für 2008 geplant und umgesetzt haben. Die seit Jahresmitte und insbesondere ab dem 4. Quartal 2008 deutlich abwärtsgerichtete Konjunktur dürfte jedoch zu einer Abschwächung der Investitionsdynamik geführt haben5. Da es derzeit keine erkennbaren Anzeichen für eine grundlegende Verbesserung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage gibt, bleiben die Rahmenbedingungen für Investitionen seitens der Industriebetriebe ungünstig, sodass für das Jahr 2009 ein deutlicher Rückgang der Investitionen zu erwarten sein dürfte. Unabhängig von der Investitionsentwicklung wird sich allerdings an der Verteilung des jährlichen Investitionsvolumens sowie an der Zusammensetzung der Branchenbeteiligung in den Teilräumen Baden-Württembergs kurzfristig kaum etwas ändern.

1 Zur Entwicklung der Ausrüstungsgüter (Maschinen, maschinelle Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung) und Immobilien (Grundstücke und Bauten) in Baden-Württemberg seit 1995, welche die Komponenten der Sachanlagen bilden vgl.: Hoffmann, Thomas: »Verarbeitendes Gewerbe 2006: Kräftiges Investitionswachstum mit Breitenwirkung«, in: »Statistisches Monatsheft Baden-Württemberg 02/2008«.

2 Mit der 1995 erfolgten Umstellung der Statistiken auf die europaweit gültige Klassifikation der Wirtschaftszweige NACE Rev. 1 und der davon abgeleiteten, deutschen Klassifikation, Ausgabe 1993 (WZ 1993), sind keine detaillierten Vergleiche mit den Jahren vor 1995 mehr möglich. Die Ausgabe 2003 (WZ 2003) brachte hingegen gegenüber der Vorgängerausgabe keine nennenswerten Änderungen für den Bereich des Verarbeitenden Gewerbes mit sich.

3 Zur Investitionsentwicklung in Baden-Württemberg im Vergleich zu den Bundesländern sowie zur bundesweiten Entwicklung vgl.: Hoffmann, Thomas: »Zur Entwicklung der Investitionen im Verarbeitenden Gewerbe seit 1995«, in: »Statistisches Monatsheft Baden-Württemberg 12/2007«.

4 Weitere Ergebnisse der Investitionserhebung 2007 im Verarbeitenden Gewerbe in tiefer fachlicher Gliederung nach Wirtschaftsbereichen und nach Kreisen des Landes Baden-Württemberg enthält der Statistische Bericht E I 6-j/07, Artikel-Nr.: 3523 07001, der kostenlos abrufbar ist.

5 Die Ergebnisse der »Investitionserhebung im Verarbeitenden Gewerbe« für das Berichtsjahr 2008 werden voraussichtlich Anfang Oktober 2009 vorliegen.

infopunkt

Der Begriff »Verarbeitendes Gewerbe« wird in diesem Beitrag – in Abweichung von der wirtschaftssystematischen Fassung der »Klassifikation der Wirtschaftszweige, Ausgabe 2003 (WZ 2003)«– vereinfachend in einer erweiterten Fassung verwendet, die die Wirtschaftszweige der WZ-2003-Abschnitte »C: Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden« und »D: Verarbeitendes Gewerbe« umfasst und somit den gesamten Erhebungsbereich der traditionellen »Industriestatistik« abdeckt. Dies schließt auch das »Verarbeitende Handwerk« mit ein. Darüber hinaus wird in diesem Artikel für die Betriebe aus dem Bereich des »Verarbeitenden Gewerbes« der Begriff »Industriebetriebe« als Synonym verwendet.

Grundlage dieses Beitrags sind die Ergebnisse der »Investitionserhebung bei Unternehmen und Betrieben im Verarbeitenden Gewerbe«. Meldepflichtig sind dabei alle Unternehmen des »Verarbeitenden Gewerbes sowie des Bergbaus und der Gewinnung von Steinen und Erden« mit 20 und mehr Beschäftigen und deren Betriebe (unabhängig von deren Beschäftigtenzahl) und produzierende Betriebe ab 20 Beschäftigte von Unternehmen anderer Wirtschaftsbereiche.

Die Ergebnisdarstellung kann grundsätzlich sowohl nach dem Unternehmens- als auch Betriebskonzept erfolgen. Eine regionale Analyse unterhalb der Bundesebene ermöglicht allerdings nur das Betriebskonzept, da in den Unternehmensdaten der Mehrländerunternehmen auch die Angaben der zugehörigen Betriebe außerhalb von Baden-Württemberg enthalten sind.

Als »Investitionen« gelten in diesem Beitrag der Wert aller im Geschäftsjahr aktivierten Bruttozugänge an Sachanlagen einschließlich aktivierbarer Großreparaturen und aktivierter geringwertiger Wirtschaftsgüter sowie selbst erstellter und im Bau befindlicher Anlagen (Kaufinvestitionen). Nicht berücksichtigt sind insbesondere Investitionen in Zweigniederlassungen im Ausland, Zugänge durch den Kauf ganzer Betriebe (bzw. Unternehmen), der Erwerb von Beteiligungen, Wertpapieren oder Ähnlichem sowie der Erwerb von Konzessionen, Patenten und Lizenzen.

Aufgrund bestimmter methodischer Besonderheiten weichen die Angaben zu Beschäftigten und Umsatz von den in anderen Veröffentlichungen verwendeten zusammengefassten Angaben aus dem »Monatsbericht für Betriebe« und dem »Jahresbericht für Betriebe« im Verarbeitenden Gewerbe sowie Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden geringfügig ab.


© Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stuttgart, 2009 | ^